FAUSTL von Thomas Bremser

Handlungsfaden FAUSTL:

Die ODYMORPH, ein Raumschiff, begegnet der Raumsonde Voyager.
Unser Held FAUSTL taucht in die Erdumlaufbahn ein. Im freien Fall stürzt er auf die Erde.

 

Er hat ein Damen-Spitzen-Taschentuch und ein Stück beschriebenes Pergament in einer
Dose mitgebracht, die irgendwann von der Erde verschwand. Vermutlich wurde sie
unwissentlich auf die Voyager 1 geschmuggelt. Er sucht die Person mit den Initialen C und M.

 

FAUSTL hat einen Wissenssauger, der ihn in kürzester Zeit in die Lage versetzt Wissen zu
generieren. Er ist eine Art Assoziation-Akrobat und Verknüpfungs-Fetischist. Kein Problem
lässt er aus. Keine Lösung dauert ihm zu lange. Kein irdisches Buch, keine Prämisse,
Formel oder Axiom, dass er nicht schon aufgesogen hat.

 

Im Laufe der Handlung wird langsam klar, wen er sucht.

Es handelt sich um die römische Sängerin Caterina Martinelli, die im Hause Monteverdis,
Anfang des 17. Jahrhunderts Gesangsunterricht erhielt.

 

Da FAUSTL auf seinem Sturzflug zur Erde dem Breitgürtelasteroiden 4040_Purcell
begegnet und über Odysseus, Eurydike, Penelope und Orpheus stolpert, ist es nicht
verwunderlich, dass er ausgerechnet hart Backbord im Bugwasser der Queen Mary
landet; dort sich als Musiker und Sänger ausgibt und ein Solokonzert im Theater an
Bord der Queen Mary II gibt. Auch Henry Purcell wird als schizoides Halluzzi auftauchen
 und Verwirrung stiften. In seinem Konzert schlüpft er in verschiedene Personen und hat
am Ende das ganze Schiff unter seiner Kontrolle.

 

Fragen über Fragen: Wird er Caterina Martinelli an Bord der Queen Mary II finden?
Wird er Caterina das Taschentuch zurückgeben können? Ist Caterina seine verstorbene
Frau Eurydike? Wenn nicht, wo ist Eurydike? Ist FAUSTL Orpheus?

Wie wird FAUSTL zurückkehren? Bleibt er auf der Erde?

 

Das Publikum am Abend, wäre dann auch sein Publikum auf der Queen Mary II.

FAUSTL interagiert mit Musik und Texten inmitten des abendlichen Publikums.

 

Ort der Handlung ist das Weltall und die Erde

 

1. Raumschiff ODYMORPH und VOYAGER I (Kollision)

2. Kreuzfahrtschiff QUEEN MARY II (Rettungsboot, Bar)

3. Raumschiff ODYMORPH erweitert

 

 

 

 

Dramaturgie: Faustl von Thomas Bremser "Entstehungsgeschichte
FAUSTL ein Einpersonenmusiktheater

Termine:
Freitag    8. Dez. 2017 THEATER HALBE TREPPE in Dinslaken (Premiere)
Samstag 9. Dez. 2017 THEATER HALBE TREPPE in Dinslaken


28. Oktober 2016·

RAHMENHANDLUNG

FAUSTL Update 28. Okt. 2016 / von Thomas Bremser, live bei Facebook

(1) Ein grölender, lauter Schmerz übermannte FAUSTL als er mit seinem
kleinen Raumzeitgleiter ODYMORPH in die Erdatmosphäre einstach. Wie
der Löffel in einen warmen, beinahe schnittfesten Grießpudding, quetschte
 er sich in eine Welt voll warmen, menschlichen Schluckens und Saugens.
Ungebeten und im nach hinein als Versehen verbucht, sauste FAUSTL also
im Meer der Assoziationen durch Zeit und Raum – oder Raum und Zeit?

Wen kümmert es schon? Hmmm!

Er hatte vor etwa acht Takten durch ein, nennen wir es Medikament, sein
Bewusstsein verloren. Er hasste diese kurzen Trips von Milchstraße zu
Milchstraße. Lieber Leser, wenn wir davon ausgehen, dass ein Takt etwa
die Zeit vermisst, die wir als Menschen von der Erde zum Saturn brauchen,
löst sich die Länge seiner Reise aus dem Verschwommenen.

Klar, sein ODYMORPH wurde noch sehr altmodisch mit überflüssigem,
aus dem oft unterschätzten Unterbewusstsein, per hypnotischer
Verdampfung, also dem Seelenabrieb, angetrieben. Dieser besagte
Seelenabrieb, der schmerzhaft gewonnen werden musste, veranlasste
FAUSTL zum sorgsamen, feinfühligen Umgang mit seinen Energievorräten.
Selbstwahrnehmung war gefragt! Eine beliebte Tugend auf dem Planeten
von dem er kam. Hmmm!

Das Schiff, die ODYMORPH, hatte die Form einer Kugel, die sich
pulsierend fortwährend zusammenzog und sich selbst andauernd verformte.
Lediglich eine dünne Zellmembran schützte FAUSTL innerhalb seines
ODYMORPHs vor der pumpenden, rastlosen Materie.

Vier Takte zuvor hätte es beinahe eine Kollision mit dem Hauptgürtelasteroiden
 4040_Purcell gegeben. Hierbei verhinderte die flexible Haut seines Reisegefährts
einen größeren Schaden. Es war kein dummer Zufall, kein schicksalhafter
kleiner Scherz des großen Schöpfers, nennen wir ihn A, der diese vermeintlich
bedrohliche Begegnung 4040_Purcell ausgelöst hatte. A hatte bewusst
4040_Purcell auf FAUSTL angesetzt. Aber dazu später mehr.

(2) Jaja, der Seelenabrieb…; Hmmm. Funktionierte dieser bisher lautlos,
ohne kognitive Fähigkeiten, brachte er im achten Takt alles, von FAUSTL
noch unbemerkt, durcheinander. Hatte sich da plötzlich etwas verändert,
seit der Begegnung mit diesem fliegenden Objekt, dass FAUSTL mutig mit
seinem Raum-und Zeit-Sauger an eine seiner zahllosen Membranen saugte.
Es hatte sich etwas verändert. Ja! Wo vorher der Seelenabrieb nur als
Treibstoff diente, wurde durch das Erkunden des Objektes eine himmlische
Luke aufgetan, die sich ab sofort nicht mehr schließen ließ. Und dies genau
ein Takt vor dem Eintauchen in die Erdatmosphäre - während des achten
Taktes.

FAUSTL bemerkte im achten Takt ein Organ, was er bisher nur mit sich
herumtrug. Ein paar beidseitig am Kopf angebrachte Membranen mit
fleischigen, ja fast wulstigen Ausstülpungen. Bisher hatte sein
Unterbewusstsein nur in einem Knalltrauma-Rauschen, die Erschaffung
von A in sich aufgenommen. Ein Geräusch, ein Rauschen, eine lästige
Sache, die keine Resonanz in seinen Zellen und Membranen hervorrief.
Doch da war jetzt diese schillernde, fremdartige, kleine Platte, die er aus
dem fliegenden Objekt geborgen hatte und in seinem ODYMORPH-Replikator
 ablichtete, und nun somit ihrer Bestimmung als irgendwie geordneter
Schallverstärker dienen konnte.

Was hernach in seine am Kopf angebrachten Membranen strömte und den
 ganzen Körper schier überflutete, waren Wellen des Schalls. Klänge von
nie gehörter Vollkommenheit breiteten sich über seine Synapsen aus. Aber
immer nur dann, wenn er vorher eine Art Gas, dass leidlich aus dem Objekt
 strömte, in sich aufsaugte. Ein Wunder? Eine Offenbarung? Ein unverdientes
Geschenk des A, oder war das schon B? Hmmm!

Mit seinem RAPIDTRANSLATOR übersetze er sich die Zeichen auf der
mysteriösen Platte, und er fand schnell heraus, um was es sich bei diesen
Klängen handelte. Es gab wohl zwei Worte, die er schwach entziffern konnte:
Bach und Mozart. Nach vielen archäologischen Bemühen und nach ungefähr
 einem halben Takt, hatte er auch die zugehörigen Zeichen übersetzt.
 „Goldberg-Variationen“ und die sogenannte „Königin der Nacht“.

Durch einen Übersetzungsfehler, einen Zeilensprung vielleicht, eine digitale
oder analoge Unordentlichkeit, ordnete der RAPIDTRANSLATOR die
Schallquellen falsch zu. Und so entstand eine nicht unerhebliche Verfälschung
seiner Auswertungen. Lauschen, saugen, hineinströmen lassen – FAUSTL
war entrückt und verzückt. Hmmm!

(3) Vor wie vielen Takten beschloss FAUSTL seine vertraute Umgebung
zu verlassen? Ein banges Sehnen hielt ihn in seiner Welt gefangen. Er ahnte,
dass etwas nicht stimmte. - Regelrecht verstimmt war darüber, dass sich fast
unmerklich der Seelenabrieb verflüchtigte. Takt für Takt. Auf einem
Spitzentaschentuch, dass FAUSTL aus einer silbernen Box zog waren
die Initialen C und M zu lesen. Wie kam FAUSTL an solch einen Gegenstand?
Des weiteren führte er eine Art Pergament bei sich auf dem folgender
italienischer Text zu lesen war:


LAGRIME D'AMANTE AL SEPOLCRO DELL'AMATA

1. Incenerite spoglie, avara tomba

Fatta del mio bel sol terreno Cielo

Ahi lasso! i' vegno ad inchinarvi in terra

Con voi chiuse 'l mio cor a marmi in seno

E notte e giorno vive in piano in foco

In duol'in ira il tormentato Glauco.

2. Ditelo, o fiumi, e voi ch'udiste Glauco

L'aria ferir di grida in su la tomba,

Erme campagne (e 'l san le Ninfe e 'l Cielo):

A me fu cibo il duol, bevanda il pianto,

Poi ch'il mio ben coprì gelida terra,

Letto o sasso felice il tuo bel seno.

3. Darà la notte il sol lume alla terra

Splenderà Cintia il dì prima che Glauco

Di baciar, d'honorar lasci quel seno

Che nido fu d'amor che dura tomba

Preme: nè sol d'altri sospir, di pianto

Prodighe a lui saran le fere e 'l Cielo.

4. Ma te raccoglie, o Ninfa, in grembo al Cielo.

Io per te miro vedova la terra,

Deserti i boschi e correr fiumi il pianto.

E Driadi e Napee del mesto Glauco

Ridicono i lamenti e su la tomba

Cantano i pregi dell'amato seno.

5. O chiome d'or, neve gentil del seno,

O gigli de la man, ch'invido il Cielo

Ne rapì. Quando chiuse in cieca tomba,

Chi vi nasconde? Ohimè, povera terra,

Il fior d'ogni bellezza, il sol di Glauco

Nasconde? Ah, muse, qui sgorgate il pianto.

6. Dunque, amate reliquie, un mar di pianto

Non daran questi lumi al nobil seno

D'un freddo sasso? Ecco l'afflitto Glauco

Fa risonar Corinna il mar e 'l Cielo.

Dicano i venti ogn'hor, dica la terra:

Ahi Corinna, ahi morte, ahi tomba!

Cedano al pianto i detti, amato seno;

A te dia pace il Ciel, pace a te, Glauco;

Prega honorata tomba, e sacra terra.

* Die Übersetzung:

„Sestina. Tränen des Liebenden am Grab der Geliebten“

1. Du Asche gewordene Hülle im kargen Grab,

Zu der meine schöne Sonne ward, mein Himmel auf Erden;

Oh weh mir, oh weh, ich komme, in die Erde dich zu senken.

Dir gleich ist in der Brust mein Herz wie in Marmor gefangen,

Und Tag und Nacht lebt in heißen Tränen,

in wütendem Schmerz der gepeinigte Glaucos.

2. Sagt es, ihr Flüsse, und du, ödes Land, die ihr hörtet,

Wie Glaucos die Luft mit seinen Schreien peitscht;

Die Nymphen wissen es und auch der Himmel:

Der Schmerz ward mir zur Speise, die Tränen zum Trank,

Dieser glückliche Stein zum Bett,

Seit eisige Erde sich über meinem einzigen Gut,

Über deinem schönen Busen schloss.

3. Eher wird nachts die Sonne ihr Licht der Erde schenken

Und Cynthia am Tage strahlen, als dass Glaucos davon ließe,

Diese Brust zu küssen und zu ehren, die einst der Hort der Liebe war,

auf der schwer das harte Grab nun lastet.

Nicht er allein seufzt und wehklagt laut,

wilde Tiere und der Himmel stimmen mit ihm ein.

4. Doch dich, oh Nymphe, nimmt der Schoß des Himmels auf.

Um deinetwillen trägt die Erde Witwentracht,

liegen die Wälder verlassen und fließen Tränenströme.

Dryaden und Napeen stimmen in die Klagen des trauernden Glaucos ein,

und über dem Grabe singen sie den Lobpreis der geliebten Seele.

5. Oh goldnes Haar, sanfter Schnee des Busens, oh Lilienhände,

Die der Himmel eifersüchtig mir geraubt –

ins finstre Grab geschlossen: Wer hält euch verborgen?

Weh mir, soll dürre Erde die Sonne Glaucos´,

die Blüte aller Schönheit nun bedecken?

Ach Musen, hier sollt ihr eure Tränen fließen lassen.

6. Nun, ihr geliebten Reste, strömt nicht ein Meer von Tränen

aus diesen Augen dem edlen Busen zu, der jetzt aus kaltem Stein?

Seht, der betrübte Glaucos erfüllt Meer und Himmel

mit seinen Rufen nach Corinna.

Die Winde sollen es sagen und die Erde es klagen zu aller Zeit:

Ach Corinna! Ach Tod! Ach Grab! Tränen ersticken seine Worte.

Geliebtes Herz, der Himmel soll dir Frieden schenken,

Friede auch dir, Glaucos, bete am ehrwürdigen Grab

und zur heiligen Erde.


EXKURS

(...) Dem geneigten Leser sei an dieser Stelle eine Wikipedia-Seite
ans Herz gelegt, die ich irgendwann selbst angelegt hatte, als ich
noch daran glaubte bei Wikipedia willkommen zu sein. Dies geschah
genau am 14. April 2009 unter dem Synonym Eurypheus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Caterina_Martinelli

Nunmehr wird die Herkunft des Textes klarer. Aber es bleibt die Frage, wie
FAUSTL an dieses Pergament und an dieses Taschentuch kommen konnte.
Fragen über Fragen! Hmmm!

(4) Eine der wichtigsten Fragen war aber, wie die Erdenbewohner
auf seine Ankunft reagieren
würden. Gut, er sah menschlich aus,
etwas blass um die Nase und steckte in einem Raumanzug , der
schon die eine oder andere Zeitreise hinter sich hatte. Durch seinen
RAPIDTRANSLATOR würde er sich auch verständlich in jeder
beliebigen Sprache ausdrücken können. Mittlerweile hatte er die
ODYMORPH stark abgebremst, in dem FAUSTL eine Art
Schubumkehrgas in die Erdatmosphäre strömen ließ. Er tuckerte
 nun gemächlich bei guter Sicht etwa 0,000036 Takte über dem Mittelmeer. (...)

 

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